Sozial gerechte Stadtentwicklung, Wirtschaft & Bildung, Klimaschutz & Mobilität, Kultur & Freizeit und vieles mehr: Zusammen mit seinem Team aus 24 Stadtratskandidatinnen und -kandidaten hat Martin Antretter ein Wahlkampfprogramm geschnürt, das als umfassendes und insbesondere zukunftsweisendes Paket „alle Themen, Ideen und Pläne von und für Burglengenfeld“ beinhaltet, die quasi als Leitfaden für „einen neuen Anfang“ in der Stadtpolitik dienen werden.
„Weil unser Wahlprogramm ausführlich hier nachzulesen ist und ich bei zahlreichen Gelegenheiten u.a. an unseren Info-Ständen gerne zu einzelnen Themen Rede und Antwort stehe“, konzentriert sich der Burglengenfelder SPD-Bürgermeisterkandidat im Interview auf die Grundprinzipien seiner Arbeit, auf strategische Überlegungen und auf den politischen Stil.
Sehr geehrter Herr Antretter, beim Wahlkampauftakt lobten alle, die vor Ort oder virtuell im Live-Stream dabei waren, dass Sie sehr kämpferisch auftraten.
Ich will die Wahl zusammen mit meinem Team gewinnen, und nicht umsonst heißt es ja auch „Wahlkampf“. Wenn die Wettbewerber um die Mandate nur nett zueinander sind, wie sollen dann die Wähler die Unterschiede der einzelnen Angebote erkennen? Was heißt: Ja, wir stellen auch sehr klar heraus, was wir wollen und was uns auszeichnet.
Und wir nennen die Dinge beim Namen. Wenn z.B. heute die CSU auf Züge aufspringt, die sie gestern noch gebremst haben bzw. gänzlich stoppen wollten. Marktplatzumgestaltung, Bulmare, Schulerweiterung, Parkhaus, TV-Gelände, VAZ und einiges mehr: Die CSU war dagegen und rühmt sich heute gerne mit fremden Federn. Ich sehe angesichts der dürftigen Leistungsbilanz der vergangenen zwölf Jahre diese Taktik zwar mit Nachsicht, ich muss sie aber nicht gutheißen.
Die vergangenen zwölf Jahre mit Bürgermeister Thomas Gesche und Fraktionsvorsitzenden Michael Schaller…
…haben die beiden mit ihren Getreuen zu verantworten, dürfen uns heute aber nicht mehr sonderlich interessieren. Es geht um die Zukunft unserer Stadt, um die ich mich kümmern möchte.
Hier stellt sich im bekannt sehr streitbaren Burglengenfelder Stadtrat die Frage: Für welche politische Kultur stehen Sie?
Wenn wir auf den künftigen Stadtrat schauen: Wir müssen es wieder schaffen, dass wir einerseits eine konstruktive Streitkultur pflegen, denn das ernsthafte Ringen um die beste Lösung ist das zentrale Wesenselement einer Demokratie. Bei aller Deutlichkeit in der Auseinandersetzung mag ich aber die Argumentation in den Extremen nicht, denn sie spaltet anstatt, dass sie verbindet.
Es ist nie bzw. nur selten alles gut oder alles schlecht – wer immer nur schwarz-weiß malt, schadet nur einer positiven Entwicklung der Stadt und ihrer Gemeinschaft. Wo sich meine Einstellung von der zumindest eines Mitbewerbers um das Bürgermeisteramt elementar unterscheidet: Ich bin der Überzeugung, wir müssen raus aus dieser „Ich hatte Recht“-Eskalation, die mich manchmal an die Luis de Funès-Filme und die „Nein! Doch! Oh!“-Dialoge erinnert, nur dass diese lustig sind.
Und welche Rolle nimmt hier Martin Antretter ein?
Ich bin ein überzeugter Mannschaftsspieler. Ich will aus allen Bereichen des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Lebens die Leute zusammenbringen und das vorhandene Wissen und die Erfahrung vernetzen und nutzen. Miteinander reden, gegenseitig überzeugen, sich einbringen und gemeinsam Lösungen finden, das bringt uns weiter. 2014 gab es bereits einen von der SPD initiierten Bürgerbeteiligungsprozess, aus dem zum Beispiel die „Fokusgruppe Jugend“ hervorging – genau hier werde ich ansetzen. Jeder, der mich kennt, weiß um meine Bürgernähe…
…das stimmt. Sie sind viel unterwegs und man sieht Sie nie allein oder nur mit Ihren Freunden herumstehen. Vielmehr suchen Sie aktiv den Dialog mit den unterschiedlichsten Gruppen.
Das tue ich aus Überzeugung, weil es mich ehrlich interessiert, was Menschen zu einzelnen Themen meinen und was sie eventuell sogar beitragen können. Um gemeinschaftliche Lösungen zu entwickeln, müssen wir raus aus rein parteipolitischen Schubladen. Aber wir müssen auch ehrlich sein: Es gibt keine einfachen Rezepte.
Ganz banal gefragt: Und wenn Sie die Ideen, das Wissen etc. gesammelt und geprüft haben?
Dann müssen Entscheidungen getroffen werden. Von mir und wenn gegeben, von der Mehrheit des Stadtrats. Es gibt für den Fortschritt nichts Schlimmeres als die Angst vor Entscheidungen. Dazu muss man aber auch gewillt und fähig sein, Verantwortung zu tragen – und genau das kann und tue ich.
Dazu ein Beispiel: Sich ängstlich und mit einem seit vielen langen Jahren anklagenden Zeigefinger hinter den „Schulden“ zu verbarrikadieren und damit einen Stillstand zu verargumentieren, bringt der Stadt und den hier lebenden Menschen überhaupt nichts. Wir sind kein Sparverein und auch kein privater Haushalt, wie ein ewig Gestriger im aktuellen Stadtrat gerne mal ins Spiel bringt.
Wir sind eine Stadt, die für ihre Bürgerinnen und Bürger klug investieren wird. Und wir müssen uns trauen, Dinge im Jugend-, Senioren-, Kultur- und vor allem Wirtschafts- und Gewerbebereich neu zu denken und Ziele zu entwickeln, die heute vielleicht gewagt erscheinen, aber mit Blick in die Zukunft absolut Sinn machen können.
Auch hier ein Beispiel: Eine Landesgartenschau, idealerweise mit den beiden anderen Kommunen des Städtedreiecks, wäre nicht nur ein sehr öffentlichkeitswirksames Aushängeschild, sondern bietet auch sehr nachhaltige, strukturelle Chancen. Sie wäre ein Motor für den Tourismus, der mit seinen Gästen wiederum Geld in die Stadt spült und nicht zuletzt mehr Gäste, sprich Kunden für unsere Geschäfte, aber auch für unser Bulmare oder das Volkskundemuseum bedeutet.
Den Tourismus zu professionalisieren und behutsam zu entwickeln, ist ein wichtiger Weg für die Attraktivität und die Lebendigkeit unserer Stadt und ihrer Lebensqualität.
Apropos Tourismus: Ein politischer Mitbewerber stellt überregionale Beteiligungen z.B. beim Museum oder beim Bulmare in den Raum.
Das liest sich zwar großartig, gehört leider aber in den Bereich der Utopie. Thomas Gesche, Michael Schaller und die CSU hatten zwölf Jahre Zeit, genau hier etwas voranzutreiben – wurden aber von ihrem Landrat rigide in ihre Schranken verwiesen, sofern sie es überhaupt probiert haben.
Wie wollen Sie dann mit den defizitären Einrichtungen umgehen?
Wir dürfen hier zwei grundsätzliche Denkfehler nicht begehen. Zum einen, dass solche Einrichtungen überhaupt ohne Defizit betrieben werden können. Zum anderen ist eine isolierte Betrachtung z.B. von Bad oder Museum absolut kurzsichtig, denn deren Wertschöpfung für Burglengenfeld ist ungleich höher als die jeweiligen Einnahmen.
In der Konsequenz müssen wir uns bemühen, die bereits vorhandene Attraktivität der Einrichtungen noch weiter zu erhöhen. Das reduziert nicht nur die Defizite, sondern stärkt das „große Ganze“, sprich unsere Stadt. Daraus wiederum können sich Kooperationen u.a. mit der Wirtschaft bilden – bei all dem ist ein Stadtoberhaupt entscheidend, der sich darum wirklich kümmert und auch mal den Telefonhörer in die Hand nimmt, um mit den entsprechenden Entscheidern zu verhandeln.
Es fällt auf, dass Sie bei allen Vorhaben in so vielen Bereichen sehr schnell den wirtschaftlichen Aspekt betonen.
Wie finanziere ich etwas – das ist nun mal das A und O auch der kommunalen Haushaltsführung und einer zukunftsweisenden Stadtentwicklung. Aber statt eine Rechnungsprüfermentalität wie eine Monstranz vor uns her zutragen müssen wir wie Kaufleute denken, denn nur diese Einstellung lockt auch Unternehmen an. Ich wiederhole mich hier gerne: Gute Ideen allein schon wegen ihrer angeblichen Unfinanzierbarkeit im Keim zu ersticken, ist meiner Meinung nach im Sinne der Stadt unverantwortlich.
Als aktueller Geschäftsleitender Beamter und Kämmerer von Pettendorf sind kommunale Finanzen Ihr tägliches Brot.
Nicht nur das. Ich war ja bereits vorher viele Jahre bei der Stadt München in entsprechenden Positionen tätig. Ich besitze also einen tiefen Einblick auch in wirtschaftlich Prozesse, die weit über eine Stadt hinausgehen. Mir muss keiner erklären, wie der Haushalt einer Kommune und wie wirtschaftliche Zusammenhänge funktionieren. Wir müssen das vorhandene Gewerbe stärken und wir müssen Gewerbe und Dienstleistung neu ansiedeln.
Ein letztes Beispiel: Wir haben in Burglengenfeld genügend Leerstand, um hier kreativen Köpfen in IT, Beratung, Marketing, Gesundheit, Kreislaufwirtschaft und mehr ein attraktives Angebot zu machen. Man muss es nur eben endlich anpacken. Deshalb auch unser Motto „Ein neuer Anfang“. Unser ganzes Land steht vor einem gewaltigen Transformationsprozess, darin werden wir mit Rezepten von vor 20 Jahren nicht bestehen können. Das ist auch der Grund, warum ich Kooperationen mit Hochschulen fordere. Das beschleunigt Innovationen, bildet die Basis für moderne Arbeitsformen wie Coworking Spaces und damit auch die Chance zur Wiederbelebung von Leerständen.
Sehr geehrter Herr Antretter, auch ohne „Grün“ wird der kommende Stadtrat wohl bunt.
Wenn ich als Bürgermeister gewählt werde, ist es unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen mein Ziel, mit allen demokratischen Kräften konstruktiv und wertschätzend zusammenarbeiten.
Das Gespräch führte Bernhard Krebs.